Du kennst das bestimmt. Dir wird plötzlich super warm und du wirst rot. Und schreist innerlich „Wie peinlich!“ Am liebsten wegrennen und im Boden versinken.

Aber das Gegenteil ist leider der Fall und dir wird noch heißer und du leuchtest nur so im Gesicht, dass man dich sogar bis zum Nordkap sehen kann.

Die Scham.

Was ist Scham?

Na klar, Scham ist ein Gefühl. Recht unangenehm sogar.
Es ein Gefühl und erinnert uns daran, dass wir soziale Wesen sind, die einander brauchen und aufeinander achten sollten. Es diente damals dem Überleben einer Gruppe.

Sobald also jemand etwas gemacht hat, dass nicht der Ordnung der Gruppe diente, so machte sich Scham bemerkbar. Zum einen zeigte es dem Fühlenden: „Oh shit, das war jetzt nicht so geil von mir.“ Und durch das Rotwerden, wurde es für die anderen dann sichtbar. So wussten die: „Alles klar, der hat es verstanden. Wir müssen ihn nicht mehr bestrafen.“

Die Bestrafung wäre in vielen Fällen der Ausstoß aus der Gruppe gewesen. Und das hatte meist Tod zur Folge.

Doch heute ist diese Überlebensfunktion ja gar nicht mehr so zeitgemäß, oder?

 

Wie entsteht denn Scham?

Durch das Gefühl der Scham erkennst du dich so, wie dich der andere sieht, oder sehen könnte. Ein Bespiel dazu mal:

Du bist zu Hause nackend, tänzelst vor dich her und kratzt dir dann noch schön am Po. Gar nicht so schlimm, oder?

Jetzt stell dir aber mal vor, es könnte dich so jemand sehen? Irgendwelche Leute. Dann wird’s dann doch peinlich, oder?

Scham funktioniert mit Zuschauern. Und weil unser Gehirn ja recht pfiffig ist, können wir uns sogar vorstellen, wie es wäre, wenn uns andere sehen könnten. Und durch diesen Blick geht die Bewertung los.

  • Ist das angebracht?
  • Ist das in Ordnung?
  • Darf ich das?
  • Werde ich so akzeptiert?

Wir schämen uns nicht vor uns selbst. Wir haben eigentlich die Angst, die Außenwelt könnte mitbekommen, was wir nicht so alles „richtig“ machen.

Denn im Gegensatz zur Schuld (Ich habe was falsches gemacht), sagt Scham nämlich das: „Ich bin falsch!“

 

Scham bei Frau und Mann

Das Gefühl ist bei beiden Geschlechtern gleich. Doch der Trigger, also der Auslöser ist oft ein anderer. Und das gibt die Gesellschaft nämlich ganz schön vor.

Bei Frauen geht es darum alles perfekt zu machen, perfekt zu sein und perfekt zu handeln. Hier in Deutschland also nett, dünn, bescheiden und bloß nicht negativ auffallen. Das geht dann in Erwartungen und das wiederum in Konkurrenzdenken.

Männern dagegen haben da nicht soooo sehr viel mit am Hut (wobei es immer Ausnahmen gibt). Bei denen geht es um eins. Bloß nicht schwach sein. Gefühle immer bitte schön kontrollieren, Arbeit, Status und der ganze Kram.

 

Scham und Sex

Sobald das Thema Sex im Spiel ist, ist Scham ein Dauerbegleiter. Es wird uns diesbezüglich viel vorgelebt. Bei dir ist es vielleicht recht offen und unbefangen abgelaufen, in meiner Familie gab es nie wirklich viel Haut zu sehen.

Stell dir mal folgendes Szenario vor:

Du bist ein kleines Kind und magst es, wenn du dir über dein Ohr gehst und sanft streichelst. Ja vielleicht auch etwas massierst. Es gibt dir einfach ein wohlig, warmes Gefühl und du fühlst dich einfach gut.

Jetzt kommt aber einer daher, der die sagt das man das aber nicht macht. Das sei anzüglich und schickt sich nicht in der Öffentlichkeit.

Du nimmst das natürlich persönlich. Du denkst du hast was falsch gemacht und so wie du bist, bist du nicht in Ordnung. Du beschließt dich nie mehr so doof und entblößt zu fühlen und vermeidest es dir ans Ohr zu gehen.

Ab und an überkommt es dich dann. Und zack sind die Finger wieder am Ohr. Es tut sooooooowas von gut!! … Im ersten Moment. Doch dann kommt die Scham. Die ist jetzt im Zwiespalt. Gutfühlen oder was falsch machen?

Ich habe mir das Ohr ausgepickt, weil das ja schließlich auch eine erogene Zone ist 😉 Es hat also ganz viel mit Konditionierung zu tun. In manchen Ländern „macht man“ das nicht und in manchen vielleicht schon.

Wusstest du das Scham ansteckend ist? Fremdschämen ist auch eine peinliche Angelegenheit. Oh man, besonders im Fernsehen. Aber es ist total menschlich und hält uns zusammen.

 

Was sind deine peinlichsten Momente? Und wie geht du mit Scham um?

Schreib’s unten in die Kommentare!

 

Tschüssi und bis bald,

Ps.: Ein super gutes Buch zu dem Thema ist „Darin Greatly“ von Brené Brown. Kann ich dir sehr empfehlen!

 

Jennifer
http://www.sheflows.de
Hallöchen, ich bin Jennifer. Ich möchte spüren, ich will wissen was ich will und was ich brauche. Ich will mich selbst einfach am besten kennen. In mir steckt noch viel Ungeahntes das entdeckt werden will. Und ich vermute in dir auch. Deswegen habe ich She flows gegründet. Ich zeige dir, wie du dich wieder mehr mit deinem Körper verbindest, deine Sexualität neu entdeckst und sie mit Spaß auslebst. Worauf wartest du? Los geht's!
  • Susann Weißenborn
    http://www.bewusstesliebesleben.de

    Ach toll, wie uns immer wieder die gleichen Themen umtreiben 🙂 Und ein tolles Video, du wirst immer kreativer, gefällt mir supergut!
    Und für all Deine Berliner Leserinnen: wenn Du Dich noch weiter mit diesem spannenden und gern verdrängten Gefühl auseinandersetzen und neue Wege finden möchtest, damit umzugehen und trotz Scham ganz Du zu sein, bist Du herzlich zu unserem nächsten Frauenworkshop am 29.11. eingeladen: https://www.eventbrite.de/e/unverschamt-ich-von-der-scham-zum-authentischen-ausdruck-frauenworkshop-tickets-39779737265

    Donnerstag, 16. November 2017 um 18:07 Uhr
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    01
    • Jennifer
      http://www.sheflows.de

      Sehr cool liebe Susann,

      danke für dein Feedback und toll das du den Workshop anbietest. Das kommt für viele bestimmt wie gerufen! 🙂

      Liebe Grüße,
      Jennifer

      Donnerstag, 16. November 2017 um 18:12 Uhr
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      02
  • Laura
    http://seidirselbstbewusst.com/

    Wunderschöner Artikel und wirklich ganz tolles Video! Danke dir Jennifer, deine Arbeit ist extrem wichtig und begeistert mich grade sehr. Damit wir Frauen endlich wirklich zu uns selbst kommen, sollten wir so viel Scham unbedingt loslassen. Wir brauchen das nicht mehr. Männern gehts aber wohl ganz genauso, nur „dürfen“ sie es nicht zeigen. Ich wünsche mir so viel mehr Ehrlichkeit, in Beziehungen und in der Gesellschaft allgemein. Ohne Angst. Finde super, dass wir beide uns Frauen so richtig aufs nächste Wohlfühllevel bringen werden.

    Alles Liebe, Laura

    Freitag, 12. Januar 2018 um 7:53 Uhr
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    03
    • Jennifer
      http://www.sheflows.de

      Hi liebe Laura,

      danke für deinen Kommentar und auch danke für dein Kompliment 🙂
      Es ist einfach jetzt mal an der Zeit, dass Frauen ihre wahre Größe sehen und spüren. Und Männer natürlich auch. 😉

      Liebe Grüße zu dir,
      Jennifer

      Donnerstag, 18. Januar 2018 um 13:47 Uhr
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      04

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