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Polyamorie und die liebe Liebe

Letzte Woche hat Jennifer einen Artikel über Polyamorie veröffentlicht und ich schließe mich gleich mal an und erzähle euch ein bisschen darüber, was ich so denke und fühle.

Für mich hat sich vor circa 2 Jahren eine leise Ahnung eingeschlichen, dass meine Liebe nicht nur auf eine Person beschränkt sein kann. Ich hatte damals einige Erlebnisse, die mein Herz weit geöffnet haben.

Auf einmal habe ich angefangen zu lieben, auf eine ganz neue Art und Weise. Nicht nur meinen damaligen Partner, sondern auch die Pflanzen und Bäume, die Erde, meine Freunde und Freundinnen. Die Liebe, die ich da zum ersten Mal gespürt habe, war nicht zu vergleichen mit dem, was ich dachte, das Liebe ist. Es war magisch, Ich war auf einmal viel tiefer verbunden mit mir und der Welt um mich herum.

Dann passierte etwas sehr Beeindruckendes. Meine damalige, sehr monogame Beziehung zerknallte plötzlich in der Luft. Ich bin durch Höllenschmerzen gegangen, war konfrontiert mit Selbstwertthemen, Eifersucht, Alleine sein und konnte für eine gut Zeit nichts anderes tun, als transformieren, heilen, integrieren. Irgendwann gab es einen großen Shift in mir. Ich hatte auf einmal unglaublich viel Energie und ein ganz neues Level an Bewusstsein breitete sich in mir aus.

 

Was ich damals über Liebe gelernt habe

Ich habe verstanden, dass ich Liebe bin. Dass alles, was ich will, in mir ist. Dass ich keine Liebe von jemand anderem „brauche“, um mich vollständig zu fühlen. Was ich wirklich brauche, ist die Liebe in und aus mir zu spüren, als mein Zustand und Erleben, als mein Gefühl, auf das ich immer Zugriff habe. Ich habe gelernt, dass mein Herz wirklich Befriedigung findet, wenn es liebt, nicht wenn es geliebt wird.

Liebe erfüllt keine Verträge oder Austauschgeschäfte. Sie gibt nur von sich selbst und nimmt nur von sich selbst. Sie ist unbestechlich. Lieben ist eine Fähigkeit, die man erlernen kann und hat meiner Meinung nach nur wenig mit dem „Verliebt-sein“ zu tun, denn letzteres ist so oft nur eine Projektion von unterdrückten Anteilen in uns. Liebe kann man nur von Leuten empfangen, die gelernt haben zu lieben. Man empfängt Liebe nicht, weil man gut genug oder perfekt ist, sondern weil man offen für sie ist.

Wenn ich liebe, dann schwingt mein Herz, dann sind meine Augen ganz weich, dann lege ich meinen puren positiven Fokus auf alle Dinge und alle Dinge und Menschen werden ein Teil von mir. Das Ego verschwindet in diesen Momenten und ich verschmelze mit dem Jetzt und allem was ist. Es geht nicht mehr um mich, sondern um uns. In dem Moment, wo ich alle anderen als einen Teil von mir selbst erkenne, habe ich immer deren bestes Wohl im Sinne. Und nicht mein verlängertes Ego-Wohl, wo ich denke, ich wüsste, was gut für den anderen ist. In diesen Momenten anerkenne ich die Realität des Anderen, ohne ihn verändern zu wollen. AHO!

 

Was sich seit dem bei mir verändert hat

Seit ich also mehr und mehr in solchen Zuständen durch die Gegend laufe, ist die Art, die Schnelle und Fähigkeit mich mit anderen zu verbinden auf einem ganz neuen Level. Und weil es immer leichter und schöner wird eine solch wunderbare Intimität aufzubauen, begegne ich vielen Menschen so und reserviere es nicht nur für einen.

Intimität heißt nicht unbedingt Sex. Intimität heißt für mich, den anderen zu sehen, zu erfühlen, zu erfahren und mich selbst erfühlen zu lassen und jemanden in mich hereinzulassen. Das kann emotional oder körperlich oder beides oder was ganz anderes sein. Ich habe erfahren, dass diese Intimität auf jeden Fall nur entstehen kann, wenn ich ehrlich bin, wenn ich mich zeige mit meinen Wünschen und Ängsten und diese kommuniziere. Wenn ich ehrlich bin, dann betrüge ich nicht. Alle Menschen, mit denen ich mich verbinde, wissen über meine anderen Verbindungen Bescheid und sind damit einverstanden, genauso wie ich von deren weiß und damit einverstanden bin.

Ich erlebe diese Beziehungen als nährend und befriedigend, weil sie so viel tiefer gehen, als all das, was ich davor kennengelernt habe. Auch wenn ich nicht die alleinige Partnerin für den anderen Menschen bin, werden meine Bedürfnisse gedeckt, sogar viel mehr, als in meinen vorherigen monogamen Beziehungen. Nicht zuletzt, weil mehr Menschen Teil meines Lebens sind, die Lust haben meine Bedürfnisse zu erfüllen.

Ich denke, dass Polyamorie etwas Wunderschönes und Natürliches ist. Allerdings vermute ich, dass „Polyamorie“ oft als Ausrede und Flucht vor Intimität benutzt wird, vor allem wenn man eine Form von Bindungsangst hat. Es wird so leicht wegzugehen, wenn es intensiv und schattig wird. Für mein Verständnis ist Polyamorie aber genau das Gegenteil, nämlich Intimität mit vielen Dingen und Menschen.

 

Das passiert, wenn man polyamore Beziehungen eingeht

Wenn man einen polyamoren Lifestyle beginnt, muss man damit rechnen, mit allen möglichen emotionalen Herausforderungen konfrontiert zu werden. Vielen Leuten fällt es schwer, darin die Schönheit zu sehen und verurteilen diese Art zu leben. Das ist kein Wunder, wenn man in unserer Gesellschaft aufwächst. Allerdings kann das manchmal ganz schön unangenehm sein, wenn man am anderen Ende sitzt.

Polyamorie, wenn sie denn nicht als Flucht vor Intimität benutzt wird, konfrontiert einen mit den Teilen in sich selbst, die sich unsicher und wertlos fühlen – und gibt die Möglichkeit über sich selbst hinauszuwachsen. Sie hilft zu verstehen, dass der eigene Selbstwert unabhängig ist von der Liebe und dem Fokus des Partners. Man lernt, dass man auf einer Ebene vollkommen in sich selbst ist, auch ohne andere Menschen. Man lernt sich selbst zu lieben und die Liebe, die man ist, zu erkennen. Dieser Prozess ist für mich oft alles andere als angenehm, aber am Ende des Gefühlschaos steht jedes Mal mehr Freiheit, mehr Liebe, mehr Leben, mehr Lust und eine größere oder echtere Version meiner selbst.

Je öfter ich durch solche herausfordernde Situationen und Gefühle gehe, desto leichter wird es und ich kann mich für mehr Situationen weiten. Der Wunsch meinen Partner glücklich zu sehen wächst mehr und mehr in mir, egal was das bedeuten mag. Mit mir, ohne mich, mit jemand anderem. Ich möchte meinen Partner nicht nur als meinen Partner lieben oder so lange er mir ein guter Partner ist, sondern ich möchte das Wesen in seiner Ganzheit lieben.

 

Ist Polyamorie was für dich?

Ich denke nicht, dass eine polyamore Beziehung das Patentrezept für alle ist. Ich glaube, für manche Menschen ist es genau das Richtige in einer monogamen Beziehung zu leben- Für andere ist eine polyamore Beziehung oder irgendwas dazwischen dienlich. Oft braucht es auch einfach keine Labels. Mit jedem Partner kann das individuell anders sein. Wenn man allerdings extreme Abneigungen gegen eine Beziehungsform hat, dann läuft man wahrscheinlich vor einem Schatten weg- vielleicht ist es dann genau die Art von Beziehung, die man mal ausprobieren könnte. 😊

Ich denke, was auch immer man für sich aussucht, ist eine bewusste Entscheidung über die gewünschte Beziehungsform sinnvoll. Anstelle einfach „ein Pärchen“ zu werden und damit automatisch monogam. Dafür muss man sich aber selbst klar werden über seine eigenen Ängste, Grenzen und Wünsche. Grenzen können sich verändern, genauso wie Beziehungen sich wandeln und ich glaube das ist gesund.
Ich mag es, die Dinge nicht zu dogmatisch zu sehen und mich nicht festzufahren auf eine Sache, sondern einfach mit dem zu gehen, was mein Leben mir präsentiert. Mal schaun, wie lange ich mich für diesen Lifestyle entscheiden werde, aber momentan fühlt er sich gut an. Ich lerne, wachse und liebe. Und ich entscheide mich jeden Tag neu und lasse Veränderung zu.

Alles Liebe für euch,

Anna

2 comments

  • Bahia

    Wow so ein schöner Text, so wunderbare Gedanken und trotzdem nicht rosarot und mit einer offenen Sicht. Ich danke dir, weil es mich in meinen Gedanken bestätigt hat und mir neues zum denken mitgegeben hat. Viel liebe von unbekannt an dich und mögest du nie aufhören zu wachsen und zu sehen 💕

    • Anna Schäfermeier

      Hmm danke, du Liebe für deine Worte und deine Wünsche, es ist schön das zu lesen 🙂

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