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Essstörung: Wie ich da nach über 10 Jahren wieder rauskam

Bei einer Essstörung kreisen die Gedanken ständig ums Essen. Essen bestimmt das Leben. Das eigentliche Bedürfnis von Hunger und Sättigung geht voll verloren. Etwa eine halbe Million junger Mädchen und Frauen leiden darunter. Und Frauen erkranken meist 12 x mehr als Männer.

Doch was ist denn eigentlich die Ursache dafür?

Über Essen findet die Seele ausdruck. Ist die Seele krankt, kann es zu einer Essstörung kommen. Ein verzerrtes Selbstbild entsteht und das setzt unter Druck. Da kommt Essen ins Spiel. Es soll kompensieren. Die Medien tragen natürlich auch noch viel dazu bei. Das westliche Schönheitsideal und der Schlankheitswahn beeinflussen enorm und familiäre Probleme kommen meist noch dazu.

 

Wann hat es mit der Essstörung angefangen?

Meine erste Diät habe ich mit 15 gemacht. Meine Mom hatte damals ihre Ernährung umgestellt und ich machte einfach mit. Das passte ganz gut, denn in der Schule habe ich ein paar Sprüche kassiert. Und die kamen von einem Jungen. Von einer einzelnen Person. Doch das reicht anscheinend aus, denn die haben sich in meinen Kopf eingebrannt. Brauereipferd war das Zauberwort.

Jetzt, mit Abstand betrachtet, kann ich zwar nicht wirklich drüber lachen, aber fast. 

Nun ja, nach ein paar Tagen fasten, ging es mit Trennkost los. 2 Jahre habe ich das gemacht. Fühlte mich echt gut und ich wurde dünner. Schon war Schluss mit Sprüchen. Mein Gehirn hat sich das ziemlich doll gemerkt. Er wusste jetzt: „Wenn ich dünn bin, werde ich akzeptiert.“

 

Doch warum habe ich so viele Diäten ausprobiert?

Ich hatte immer eine „Verbotsliste“. Bei der Trennkost waren es zum Beispiel die Kombinationen, die man nicht zusammen essen sollte. Und sobald ich nur eine klitze Kleinigket von der Liste gemacht hatte, gingen die Alarmglocken an und alles war vorbei. Wirklich ALLES! Der Tag war dahin.

Ich war sauer auf mich selbst, habe mir Vorwürfe gemacht und ich dachte mir: „Ach, jetzt ist es auch egal. Jetzt kannst du jenes und welches von der Liste essen, denn morgen ist ja wieder ein „normaler“ Tag. Da esse ich wieder nach Plan.“ Und so fing Binge Eating an. Also Fressanfälle. Ich ging durch die Gegend und suchte nach Sachen, die ich ja ab morgen nicht mehr essen würde.

Danach fühlte ich mich noch schlechter, richtig elend und musste vor lauter Übelkeit fast kotzen

Irgendwann ging es halt soweit, dass nach jedem Essanfall eine neue Diät kam. Denn die davor hatte ja anscheinend nicht funktioniert. Denn damit hatte ich ja versagt. Es folgten Low Carb, Kalorienzählen, Glyx-Diät, Logi-Methode, Fettarm, Kohlsuppendiät, Schlank im Schlaf, Weight Watchers, Saftfasten und wie sie alle heißen. Ja sogar rohes Fleisch habe ich mal gegessen. Ich wollte unbedingt einen Bandwurm. Ich hatte gehört, der isst das ganzes Essen weg und man nimmt ab.

 

Ich will hier niemanden auf falsche Gedanken bringen. Man weiß  ja nie wer das alles so liest. Also… das ist nicht gesund. Es ist krank! Falls es dir so geht… bitte schau nach jemanden der dich dabei unterstützt, der Sache auf den Grund zu gehen. Denn dafür gibt es einen Auslöser.

 

An meinem Tiefpunkt machte ich mich auf die Suche nach einer Therapeutin. Und ich fand eine super tolle. Sie begleitete mich fast 3 Jahre. Ihren ersten Satz werde ich aber nicht vergessen: „Ich kann Ihnen jetzt schon sagen Frau Wolff… wir werden nicht lange übers Essen reden.“ Und sie hatte recht.

Von da an ging mein neues Leben los und ich fand sehr sehr viel über mich heraus. Doch das mit den Diäten ging auf einer Art weiter. Ich wollte aber nicht was finden um dünn zu sein, sondern eine Nahrungsform die Sinn macht. Denn ich musste das natürliche Essen, erst einmal wieder neu erlernen.

Das kann doch nicht Leben sein, dass wir Menschen immer auf Essen achten müssen, oder?

Ich stieß zuerst auf die Ayurvedische Ernährung und dann auf die Paleo-Diät. Doch auch hier war es noch nicht das Richtige. Und dann sah ich „durch Zufall“ ein Video auf YouTube über Rohkost.

Die Aussage: „Wenn wir unser Essen kochen, gehen 70% der Nährstoffe verloren.“, klang interessant und machte für mich Sinn. Ich googelte rum und kaufte mir ein Buch. Kaum ausprobiert, wusste ich schon nach drei Tagen: „Das ist es!“

Seitdem ernähre ich mich hauptsächlich so. Und dadurch wurde ich ungewollt vegan und mein Leben hat sich krass geändert.

 

Ein Beispieltag: Was ich so esse

WICHTIG: Durch Rohkost behält das Essen sein eigentliches Volumen, wodurch wir mehr essen müssen um auf Kalorien zu kommen. Deswegen esse ich viel Obst, denn das hat mehr Kalorien als Salat und Gemüse. Wundere dich also über die Massen nicht. Und nein, Fruchtzucker macht nicht dick!

So los geht’s…

Ich starte meinen Tag mit 2 Liter Wasser. Macht wach, satt und regt die Verdauung an.

Sobald ich Hunger bekomme mache ich mir meistens einen Smoothie. Der besteht aus 6-8 Bananen, Wasser und vielleicht noch eine andere Frucht oder etwas Grünzeug. Oder wie hier auf dem Bild eine halbe Wassermelone.

Meine Lieblingsfrucht übrigens im Sommer!

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Da Obst super schnell verdaut ist, esse ich nach 2-3 Stunden wieder was. Entweder wieder einen Smoothie, aber diesmal einen anderen… oder einfach nur so Bananen. Meist so 5, je nach Größe.

Mal kurz zum Vergleich: Eine Wassermelone auf leerem Magen braucht nur 30 Minuten bis sie verdaut ist. Fleisch dagegen 4-5 Stunden.

Zwischendurch trinke ich viel Wasser. Bis jetzt bestimmt wieder so 2 Liter.

Jetzt dürfte es Nachmittags sein und wer hätte das gedacht, der Hunger schleicht sich an. Hab ich Lust auf süß oder herzhaft? Meistens wieder süß. Also… her mit Obst. Es gibt Cherimoyas. Eine super leckere Frucht, die irgendwie nach Erdbeerjoghurt schmeckt. So 4-5 löffle ich einfach aus.

Ach ja, Wasser nicht vergessen!

Abends hab ich aber dann wirklich Lust auf Salat und den mach ich mir meist mit Gurken, Tomaten oder eines meiner Lieblingsessen… Sommerrollen. Yammie!

Vielleicht auch mal veganes Sushi mit Freunden, Kartoffelecken oder Pizza. Veganer müssen auf nichts verzichten 😉

Alles variiert natürlich nach Saison und durch die individuelle Lust.

Viele halten das jetzt für krank. Aber es reicht mir das ich es für mich besser weiß. Ich habe keine Essstörung mehr. Die Zeiten an denen ich mich von anderen hab beeinflussen hab, sind vorbei. Endlich!

Das zu essen was ich gerade verlange und so viel ich will, ohne Verzicht. Für mich macht das einfach soooo viel Sinn! Mein Körper dankt mir und ist fleißig am heilen. Ich liebe es so simpel und einfach zu essen!

Auf Instagram siehst du mehr davon. Schau mal vorbei!

Möchtest du mehr über den Lifestyle erfahren? Dann check mal Johanna’s Blog und geh auf Fruity Habits. Sie lebt schon lange rohvegan und gibt mir oft tolle, einfache und leckere Rezepte.

So, das reicht für heute. Danke für’s fleißige Lesen.

Also… tschüss und bis bald!

Jennifer

7 comments

  • Schöner Artikel! Ich selber habe auch immer noch manchmal damit zu kämpfen. Es ist eine tägliche Übung, das Denken nicht mehr von Essen, Figur, Gewicht oder dem derzeitigen JoJo-Effekt dominieren zu lassen!

    Wenn Du möchtest, auf meinem Blog schreibe ich auch darüber 🙂

    • Danke Andrea! Ich finde es auch echt krass wie vielen es auch so geht. Einige (junge) Frauen habe ich durch Fruitlucks kennengelernt, die aus einem essgestörten Verhältnis kamen. Echt schade! Und immer noch scheint es „normal“ zu sein, dass man auf Diät sein muss.

      Ich bin jedenfalls sehr froh dass wir auf 80/10/10 gekommen sind 😛

  • Ein toller Artikel! Teile ich sehr gerne, da ich mich als Coach auf Essstörungen spezialisiert habe. Ich bin immer dankbar für solche authentischen Beispiele, wie Deins! In meinem Buch geht es um genau diesen Zusammenhang zwischen Körper und Seele! http://Www.dashungrigeherz.de! Weiter so mit Deinen tollen Artikeln, die den Frauen das Hinterfragen nahe legen statt alter Gewohnheiten ???

    • Danke Beate für deinen lieben Beitrag!
      Habe mir auch grad mal deinen Seite angeguckt. Wirklich toll dass es Menschen gibt die von dem Thema auch Ahnung von haben und helfen können 🙂

  • […] angingen und ich angefangen habe zu essen. Falls es dich interessiert, dann kannst du in diesem Artikel mehr über meine Essstörung […]

  • Hey Jennifer,

    seit kurzem lese ich in deinem Block und es bestärkt mich immer mehr zu mir selbst zu finden. Ich will so viel ausprobieren und endlich richtig leben. Ich mag erst 17 sein, aber ein bewusstes Leben ist mir auch jetzt schon sehr wichtig. Deine Artikel sind wirklich eine tolle Inspiration und auch Motivation. Ich selbst bin keine Veganerin, auch keine Vegetarierin. Wahrscheinlich werde ich es auch nie. Dennoch finde ich das Prinzip der Rohkost sehr interessant und möchte dieses zu einem großen Teil in meinen Alltag mit einbauen. Gesunde Ernährung ist mir enorm wichtig und deswegen belese ich mich da immer wieder gerne. Man lernt ja nie aus 🙂
    Danke für deine tollen Beiträge!
    Liebe Grüße,
    Anne

    • Hallo liebe Anne, das freut mich sehr zu hören!

      Und super für deine Begeisterung mehr auszuprobieren und bewusster zu Leben 🙂 Ich finde auch die Bezeichnungen wie „Vegetarier“, „Veganer“ oder wie auch immer gar nicht so wichtig. Das braucht niemand. Jeder sollte einfach wirklich für sich entscheiden, was für seinen Körper am besten funktioniert.

      Und ich finde dass da viel frisches Obst und Gemüse einfach nur der Hit sind 😉

      Schicke dir einen ganz lieben Gruß,
      Jennifer

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